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Chronik

Lindhorster Schulgeschichte im Schnelldurchlauf
oder warum Magister Anthonius Nothold Lindhorster Schulgeschichte ist


1604- also schon vor 392 Jahren- wurde in Lindhorst die erste Schule eingerichtet.
Schulen für das Volk, hier für die ländliche Bevölkerung, hatten damals noch Seltenheitswert. Im näheren Umkreis gab es eine solche bisher in Jetenburg (Bückeburg).

 

Es war Anthonius Nothold, Magister und Theologe, dem Lindhorst dies zu verdanken hatte. Seit 1598 vom Fürsten Ernst zu Schaumburg als Pastor eingesetzt, erkannte er schon bald, wie notwendig es war, der Dorfbevölkerung eine schulische Ausbildung zu geben. Es gelang ihm, seinen Landesfürsten, der ihm als Seelsorger sehr gewogen war, davon zu überzeugen.

 

1604 erhielt er die Erlaubnis eine Schule einzurichten. Er nutzte dazu einen Speicher auf dem Kirchhof, der früher der Kirche zur Lagerung von Getreide gedient hatte, inzwischen aber aufgebrochen und ziemlich verwüstet war. In diesem Gebäude- von Magister Anthonius Nothold erst einmal etwas aufgerüstet- trat der ehemalige Mönch (Georg Relevers) als erster Lehrer in Lindhorst seinen Dienst an.


Alle zogen es vor, baldmöglichst besser bezahlte Beschäftigungen aufzunehmen, denn die Schulmeistereinkünfte- Zinsen aus einen kleinen gestifteten Kapital und Schulgeld, das die Bauern für die Unterrichtung ihrer Kinder zahlten- waren dürftig, zumal Schulgeld in den unruhigen Zeiten des 30-jährigen Krieges nur spärlich einging, weil die Bauern ihre Kinder in den Zeiten der Unruhe nicht in die Schule schickten.


Trotz aller Widrigkeiten blieb die Lindhorster Schule während dieser unruhigen Zeit und darüber hinaus erhalten. Mgr. Anthonius Nothold hielt Lindhorst die Treue und behielt sein Amt bis zu seinem Tode 1650.

Vor dem Hintergrund der ökonomischen und sozialen Umgestaltung – dem Eindringen des Kapitalismus in die Landwirtschaft am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts – rückte auch in Deutschland die Forderung nach dem Aufbau und der Organisation eines umfassenden Schulwesens für die Kinder der breiten Massen in den Vordergrund.

 

Dies bedeutete vor allem eine Verbesserung der Erziehung und Bildung der bäuerlichen Schichten. Wenn, wie es damalige Theoretiker und Schulordnungen verlangten – alle Kinder zur Schule gehen sollten, mussten vor allem Dorfschulen unterhalten und Maßnahmen getroffen werden, die die dekretierte Schulpflicht sichern sollten, Zwar wuchs das Interesse der absolutistischen Herrscher an der Volksschule, denn Analphabeten konnten sie  nicht zur Durchführung ihrer merkantilistischen Wirtschaftspolitik gebrauchen.

 

Andererseits wollten die Herrschenden ihren Untertanen nur so viel Wissen zukommen lassen, wie sie als Arbeiter – und Soldaten – unbedingt brauchten. Doch nicht nur „brauchbar“, sondern auch „gehorsam“ sollte der Untertan sein. Das beste Mittel für die Erziehung zum Gehorsam sah man in der religiösen Beeinflussung der Untertanen. Deshalb bildete neben den Elementarkenntnissen in Lesen, Schreiben und Rechnen die religiöse Unterweisung den Hauptinhalt eines jeden Unterrichts für die Kinder der niederen und bäuerlichen Schichten.

 

Schulpflicht bestand für alle Kinder – sowohl Mädchen als auch Jungen – vom fünften bis zum zwölften Lebensjahr. Schule wurde das ganze Jahr hindurch gehalten. Das Schuljahr begann nach den Ernteferien und schloss mit einem jährlichen Examen. Außer den oben erwähnten Elementarkenntnissen in Lesen, Schreiben und Rechnen spielte Religion im Unterricht die größte Rolle und daneben auch Singen, womit natürlich nur Kirchengesang gemeint war.  
Um den für ihren Beruf nicht vorgebildeten Lehrern den Unterricht zu erleichtern, fehlte es neben den Anweisungen zu den verschiedenen Unterrichtsgegenständen nicht an zahlreichen methodischen Hinweisen.


Zwar gab es eine allgemeine Schulpflicht, wenn auch meist nur auf dem Papier, denn der ökonomische Zwang, dem die Landbevölkerung unterworfen war, verhinderte einen regelmäßigen Schulbesuch. Da die Kinder  zur Landarbeit und zum Viehhüten herangezogen wurden, konnten sie nur im Winter zur Schule gehen.


Auch die materielle  Lage der Lehrer war schlecht. Ihr geringes Einkommen setzte sich vor allem aus Naturalien (z.B. Getreide und Holz) und dem Schulgeld zusammen, das für jedes Kind entrichtet werden musste. Sie waren folglich gezwungen, sich eine Nebenbeschäftigung zu suchen, eine davon, die Tätigkeit als Küster, hat sich bis in das 20. Jahrhundert hinein erhalten.

 

Von einer geregelten Lehrerausbildung war zu dieser Zeit noch keine Rede. Die ersten Lehrerseminare entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erreichten aber auf Grund ihrer geringen Anzahl nur einen Bruchteil der Lehrer. Im allgemeinen blieb es dabei, dass sich ein jeder – ohne Vorbildung – um eine Schulstelle bewerben konnte. Christlicher Lebenswandel, Singen und gute Fürsprache waren Voraussetzung für die Annahme.


Die materielle Ausstattung der Schulen  war denkbar schlecht, so dass nur der dürftigste Unterricht gedeihen konnte. Er vollzog sich in mechanischem Abfragen und Auswendiglernen von Bibelsprüchen und Gesangbuchversen.


Einen allgemeinen Lehrplan gab es nicht, Lehrpläne wurden nach wie vor von Predigern oder geistlichen Revisoren aufgestellt. Bis tief in das 19. Jahrhundert hinein blieben die Unterrichtsgegenstände eingeschränkt auf den Katechismus, das Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Unterricht hatte sich zu beschränken und vereinfacht zu sein. Es sollten möglichst wenig  Schulbücher verwendet werden. Bibel, Katechismus, Fibel, eine Sammlung von Rechenaufgaben  und ein Lesebuch mit dem „Wissenswertesten“ aus Naturkunde, Erdbeschreibung und Geschichte hatten zu genügen.


Immerhin entstanden Lehrerseminare, die dazu beitrugen, die angehenden Lehrer besser auf ihren Beruf vorzubereiten und  bessere Unterrichtsmethoden zu verbreiten, dabei äußerst kritisch von der Obrigkeit beäugt.

 


Völlig unbedeutend blieb der Unterricht in Realfächern. Die zu widerspruchslosen, strenggläubigen und treuen Untertanen erzogenen Kinder sollten zu der Einsicht gelangen, Glieder einer von Gott geordneten Gemeinschaft  zu sein, die anzutasten große Sünde sei. Oder, wie es ein Standardwerk der damaligen Zeit aus dem Jahre 1904 ausdrückte: Die Schüler sollen befähigt werden, „dereinst ihrem Vaterlande als tapfere Krieger oder fleißige Arbeiter zu dienen“.  So war es nur logisch, dass mit dem Beginn des Ersten

 

Weltkrieges Kriegslesebücher eingeführt wurden und „hurrapatriotische“ Aufsatzthemen gestellt wurden. Schule war zum politischen Propagandamittel für den Krieg verkommen.


Harte Auseinandersetzungen um die Schulpolitik prägten die Weimarer Republik, doch das angestrebte Reichsschulgesetz vermochte es nicht, die nationale und konfessionelle Spaltung des deutschen Schulwesens zu überwinden.


Auf völkischer Grundlage beruhte das Bildungsideal der faschistischen Pädagogen im NS-Staat. Der „durch Blut und geschichtliches Schicksal bestimmte deutsche Mensch“ stand im Mittelpunkt. Volk, Volkstum, Vaterland, Rasse, Aufzucht und artreine rassische Typen wurden zu Leitbegriffen der faschistischen Pädagogik, daneben standen alle Bereiche des Unterrichts und der Erziehung im Zeichen der Wehrerziehung. Die Lehrerschaft wurde gleichgeschaltet, wie sich der faschistische Staat auch der Lehrerbildung bemächtigte und sie damit zerstörte.

 


Am 1.11.1945 wird die Schule unter Aufsicht der englischen Besatzungsmacht wieder eröffnet.
Flüchtlingsströme und der Zuzug vieler Bergleute, die im neuen Lüdersfelder Steinkohlebergwerk Arbeit fanden, bringen Lindhorst einen starken Einwohnerzuwachs.
So beginnt man 1953 mit dem Bau einer neuen Schule.


Am 7.7.1954 wird sie eingeweiht und in den Zeitungsberichten von damals als die modernste Schule der Bundesrepublik gepriesen. In diesem Gebäudeteil befindet sich heute die Grundschule.


1974 entsteht gegenüber dem Gebäude aus den fünfziger Jahren ein Neubau, in dem heute die HRS (Haupt- und Realschule) untergebracht ist.


Bis zum 31.12.1974 gibt es in Lindhorst nur eine Schule unter einer Schulleitung.
Im Rahmen der Schulreform in Niedersachsen erfolgt am 1.1.1975 die Trennung von Grundschule und Hauptschule, die um einen Realschulzweig und Orientierungsstufe erweitert wird. Das Schulgebäude und das Schulgelände werden von der Samtgemeinde an den Landkreis als Schulträger HRS und OS übertragen. Die Grundschule behält den Namen ihres Gründers Magister-Nothold. Seit 1994 nennt sich die HRS ebenso.


Einen wichtigen Schritt für die Zukunft unternimmt die Samtgemeinde Lindhorst 1995/96, indem sie die Grundschule um vier Räume erweitert. Sie trägt den wachsenden Schülerzahlen, den vermehrten neuen Aufgaben der Schule und den anderen Unterrichtsformen Rechnung und schafft für Schule und Schüler den nötigen Rahmen.

 

Mit einem baufälligen Speicher hat es
begonnen- aber es geht weiter und
weiter- Stillstand heißt Rückschritt. In
diesem Sinne Magister Anthonius Nothold.